Professor Vakuumschrank

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, schrieb schon der wissenschaftsbegeisterte Johann Wolfgang von Goethe in seinem berühmten Drama „Faust. Eine Tragödie“.

Wie man mit praktischen Anwendungen und Experimenten die Begeisterung von Kindern für Physik und Technik wecken kann, zeigen Projekte wie das „Technikland“, initiiert vom Schulmuseum Nürnberg, dem Förderkreis Ingenieurstudium e.V. und dem Museum Industriekultur.

 

Technik kinderleicht erklärt

An 25 Stationen wurden den Kindern technische und naturwissenschaftliche Grundprinzipien zu den Themen Konstruktion und Kraft, Energie, Licht und Farben, Robotik und Computer sowie Bionik nahegebracht. Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Siemens unterstützen das Technikland mit Exponaten, an denen die Kinder selbst experimentieren und ausprobieren konnten. Memmert stellte für die Abteilung "Kraft" einen Vakuumschrank zur Verfügung.

Luft wiegt etwas? Für Kinder ist das schwer vorstellbar. Im Alltag merken wir nicht wirklich etwas von dem Druck, den die gewaltigen Luftmassen in der Atmosphäre über uns auf unseren Körper und alle Gegenstände ausüben, da die Luft sich um uns herum gleichmäßig verteilt. Einer der berühmtesten physikalischen Versuche aller Zeiten bewies im Jahr 1654 die atmosphärischen Kräfte. Otto von Guericke hatte zwei abgedichtete Kupferhalbkugeln mit einer Luftpumpe (Abb. 1) evakuiert und anschließend acht Pferde vor jede Halbkugel gespannt. Warum hatten diese gewaltigen Pferdestärken nicht die Kraft, sie zu trennen? Natürlich wegen des Atmosphärendrucks, der von außen auf den evakuierten Körper wirkte und dem kein Gegendruck im Inneren der Kugel entgegenstand. Mithilfe von zwei evakuierten Acrylglasplatten konnten die Besucher des Techniklandes das berühmte Experiment von Otto von Guericke nachvollziehen.

Abb. 1 Magdeburger Halbkugeln mit Luftpumpe im Deutschen Museum München; Bild LepoRello via Wikimedia Commons, [CC BY-SA 3.0]

 

Unterhaltsame Experimente im Memmert Vakuumschrank

Weiter ging es zu „Professor Vakuumschrank“, vorgeführt von Studenten der Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen - Nürnberg. In unterhaltsamen Versuchen lernten die Kinder, warum Wasser im Vakuum schneller kocht, warum sich ein mit Luft gefüllter Ballon so lange aufbläst, bis er platzt, warum die luftgefüllte Schaummasse einen Schokokuss auf die vielfache Größe anschwellen lässt und warum Wasser über ein Plastikröhrchen wie von Zauberhand geführt in ein daneben stehendes Glas fließt.

Es gab viel zu sehen und zu lachen. Manch einem kleinen Besucher war allerdings fast zum Weinen zu Mute, wenn der Schokokuss nach dem Belüften des Gerätes wieder in sich zusammenfiel, bevor er verputzt werden konnte. Natürlich hatten die Studenten dann einen unversehrten Ersatz zur Hand.

Und warum darf man sich jetzt unter keinen Umständen selbst in so einen Vakuumschrank setzen? Die meisten Kinder wussten nach der interessanten Lehrstunde auf Anhieb die richtige Antwort. Menschen können im luftleeren Raum (Vakuum) aufgrund des atmosphärischen Drucks und der Tatsache, dass sie keine Luft zum Atmen haben, nicht überleben.


Vom 29. September 2015 bis 31. Januar startet zum dritten Mal das erfolgreiche Technikland im Museum für Industriekultur. Ein Besucht lohnt in jedem Fall.

 

 

Abb. 2 Selbstversuch mit anschließender Verkostung

Abb. 3 Ein auf ein Vielfaches anschwellender Schokokuss im Memmert Vakuumschrank VO